In seinem Ausstellungszyklus In Case of Emergency interpretiert Mor Afgin religiöse und historische Artefakte sowie Symbole neu. Er verbindet alte Legenden mit unserer heutigen, von Technologie und Kapital geprägten Welt – einem System, in dem biblische Mythen und wissenschaftliche Rationalität nebeneinander existieren. Dabei richtet Afgin den Fokus besonders auf die zunehmende Verbreitung religiös motivierter Spekulationen und deren Einfluss auf die politische Geschichtsschreibung.
Unsere Gegenwart ist durchzogen von apokalyptischen Verschwörungstheorien. Mor Afgin analysiert aufmerksam deren Entstehung und Wirkung. Er stellt die Frage, wie weit sich solche Ideen – angesiedelt zwischen Theologie, alternativer Archäologie und Geschichtsschreibung – tatsächlich ausbreiten und Einfluss gewinnen können.
Wie in einer Museumsvitrine sind die ausgestellten Objekte in Hamburgs belebtester Straße sichtbar, aber unerreichbar arrangiert. Sie erinnern an vergangene Zeiten oder warnen vor dem Kommenden. Der Ausstellungsraum selbst wirkt wie eine moderne Arche Noah – ein symbolischer Ort der Bewahrung von Arten, Wissen und Glauben. So wird er zu einem Sinnbild für Gericht, Überleben und Erneuerung, tief verwurzelt in biblischer Erzähltradition.