Spionspiegel, Webcam, LCD, Mini-PC, Gesichtserkennungssoftware, Stahl, Beton, Glas, Neon, Digitaldruck auf Fotopapier, 80 x 90 x 16 cm
Das Portrait einer jungen Person ziert die Seitenleiste von Eufearia. Nähern sich Betrachtende dem Spiegel, aus dem die Arbeit besteht, können sie sich selbst mit einer kurzen Verzögerung sehen – aber auch eine Reihe an Betrachtenden, die vor ihnen kamen. Während der Spiegel zunächst auf den privaten Raum referiert, deutet er im erweiterten Sinn die Darstellung des Selbst im Digitalen und somit dem öffentlich Zugänglichen an.
Wie die Wortschöpfung des Titels Eufearia nahelegt, finden sich in der Arbeit zwei gegensätzliche Auslegungen wieder: Zum einen das (positive) Annehmen der Möglichkeiten, insbesondere der Selbstdarstellung, die sich im Digitalen bieten. So finden sich im Spiegel Spuren der persönlichen Gestaltung wieder: ein Schlüsselbund mit buntem Anhänger, ein Smiley-Sticker, der am Rahmen angebracht wurde, und ein Tribal-Tattoo. Zum anderen jedoch die ungewollte Verwandlung der Betrachtenden vom aktiven Akteur*in in ein “User/Produkt”. Ohne diesem zugestimmt zu haben, werden sie von der Arbeit zu Datensätzen weiterverarbeitet, deren Nutzen den Betrachtenden nicht offenbart wird.
Alle Versuche der Gegenwehr – in Beton gefasste Glasscherben auf der linken Seite, spitze Nieten auf der rechten Seite des Rahmens – verbleiben schlussendlich als zwar widerständiger, aber (gescheiterter) Versuch, sich gegen eine Vereinnahmung zu stellen. Sie sind nur noch visuelle Referenzen und Relikte einer bereits vergangenen Zeit, die keine Chance mehr haben gegen die (feindselig gestimmte) Technologie, von der das Objekt im Inneren eingenommen wird.