24. Januar 2025 23. März 2025

PLANNED OBSOLESCENCE

Im nervösen Gedränge der Stadt hat eine Gruppe von Künstler*innen diesen Raum an der Grenze zwischen Innen und Außen, zwischen Kontemplation und Konsum besetzt. Die ausgestellten Skulpturen sind in diesem Zwischenraum angesiedelt: zwischen Produktivität und Erschöpfung, zwischen Anstrengung und Verlust. Auf den ersten Blick abwesend, ist der Körper in den Zwischenräumen dieser Formen untergebracht, zum Beispiel durch die Bewegung der Passanten, die auf einer spiegelnden Oberfläche erscheinen, oder durch das Porträt eines Mannes, dem der Eintritt in die Geschichte beinahe verwehrt war. Es gibt Objekte, deren Funktion ausgelöscht wurde, die zu Behältern eines obsoleten Gebrauchs geworden sind: ein ausgehöhlter Computer, warme Kühlakkus, Prothesen an Heizkörpern oder Mechanismen und Motoren, die sich selbst erhalten. Diese Objekte, die sich sowohl im Konflikt mit als auch in der Anpassung an den Raum befinden, haben stolz ihren kommerziellen Glanz aufgegeben und leuchten stattdessen in ihrer Prekarität.

Surrender2025

Gummiband, Kühlakkus, variable Dimensionen

Surrender artwork

Asma Ben Slama, Surrender, Installationsansicht, HFBK Boutique, 2025

Ein Eisbeutel, oft in der Gefriertruhe vergessen oder zum Transport von Lebensmitteln verwendet, dient einem doppelten Zweck: Das Bewahren von Lebensmitteln oder die Linderung körperlicher Schmerzen. Aneinander gelehnt oszillieren diese Objekte zwischen der Erinnerung an verlorene Gegenstände und der Darstellung kollektiven Schmerzes. Unterbrochen von einem losen Gummiband, das üblicherweise zum Bündeln von Produkten verwendet wird, verbindet die Arbeit die Dysfunktionalität sowohl des Körpers als auch des Objekts. Doch selbst unter Schmerzen setzt der Körper seine Arbeit fort, so wie die aus ihrem funktionalen Zusammenhang gerissenen Kühlakkus die Fähigkeit behalten, Erinnerungen und Empfindungen hervorzurufen.

Desiring Machines2025

Computerhülle, Kabel, Papier, 230 x 27 cm

Desiring Machines artwork

Maxime Chabal, Desiring Machines, Installationsansicht, HFBK Boutique, 2025

In der Mitte des Raumes steht ein von allen Komponenten entleerter Computer, der die Architektur umfasst. Ein intensives Licht durchdringt die Maschine, die sowohl an eine Werbevitrine als auch an ein Buntglasfenster erinnert. Auf einer Oberfläche erscheint ein ätherisches Antlitz - das von Alan Turing, dem Erfinder der modernen Computertechnik. Dieser Wissenschaftler, der maßgeblich zum Sieg der Alliierten im zweiten Weltkrieg beigetragen hat, wurde im Nachkriegs-England wegen seiner Homosexualität verfolgt. Die ebenso fragmentarische wie gespenstische Collage versucht einen Mann zu porträtieren, der lange Zeit aus der herrschenden Geschichtsschreibung ausgeschlossen war. Die in der Collage verwendeten Archivalien wie Prozessakten und alte Fotografien tragen dazu bei, diese Dissidentenfigur zu verkörpern - einen Körper, dem ein wesentlicher Teil seiner Subjektivität abgesprochen wurde.

Venus in Leo2025

Plexiglas, Stahl, Aluminium, Gallium, Austern, 100 x 5 x 5 cm

Venus in Leo artwork

Adrien Lagrange, Venus in Leo, Installationsansicht, HFBK Boutique, 2025

Diese Installation basiert auf sechs Plexiglasboxen, minimalistische Objekte, um zu halten und aufzunehmen. Das Gitter fungiert hier als Deckel, der den Informationsaustausch zwischen Innen und Außen ermöglicht. Sein Muster fungiert als Skelett, an dem sich verschiedene heterogene Elemente festhalten: Materialien, die als Behälter für Gallium dienen - ein Metall, das in der Mikroelektronik verwendet wird und dafür bekannt ist, dass es bei einer Temperatur von 28 Grad Celsius, der niedrigsten für den menschlichen Körper erreichbaren Temperatur, von einem festen in einen flüssigen Zustand übergehen kann. Der Zustand dieses Materials ändert sich also in Abhängigkeit von der Temperatur, die der Organismus des Gebäudes abgibt.

The long breath of a bad decision (et tutto abbraccio et nulla stringo)2025

Zink-/Titanblech, geätzte UV-Drucke, Vakuumhebebügel (print: Roemer Visscher, „Emblem X, from Sinnepoppen“ Amsterdam, 1614, Text auf Objekt: oft etwas neues, selten etwas gutes). (Bild: EU-Gesundheitswarnmeldung, est. 2016, 40 x 60 x 15 cm

The long breath of a bad decision (et tutto abbraccio et nulla stringo) artwork

Sanna Leone, The long breath of a bad decision (et tutto abbraccio et nulla stringo), Installationsansicht, HFBK Boutique, 2025

Zwei gekrümmte Ovale aus Zink-Titan Blech spiegeln das Gebäude, dessen Innen- und Außenbereich. Die Reflektion ist verzerrt, doppelt sich in der Fensterscheibe, sammelt Lichter und Bewegung ein, die sich in einer Fläche nicht abbilden würden. Die Saugheber durchbrechen die gläserne Wand von innen. Sie kreieren einen Zwischen-Raum der aus Vakuum, aus dem Nicht-Vorhandensein des umgebenden Raumes, besteht.

In die Bleche sind miteinander korrespondierende Motive mit Salpetersäure geätzt. Eines der Motive ist ein Gesundheits-Warnhinweis, das andere ein aus dem 17. Jahrhundert stammende Vanitas-Darstellung.
Das, was ist, will angeschaut werden, bevor das, was sein kann, übernimmt.

Emergence threshold (fragments 1-8)2025

Stahl, Metalldraht, Holzleim und Maisstärke, PVA-Folie, Glasmurmeln, Motoren, Aluminiumfolie, Elektrokabel, Eisenwaren, Glasfaser, Epoxidharz, Plexiglas, Polystyrol, Epoxidharz, MDF, Aluminiumfolie, variable Dimensionen

Emergence threshold (fragments 1-8) artwork

Raffaele Pola, Emergence threshold (fragments 1-8), 2024/25, Installationsansicht, HFBK Boutique, 2025

Die Skulptur von Raffaele Pola besteht aus mehreren länglichen Fragmenten, die durch ihre Zusammensetzung an architektonische Details erinnern. Rostige Metallrahmen, umhüllt von einer membranartigen Haut, dienen als elektrisch leitendes System, das mit dem umgebenden Raum verbunden ist. In die Struktur sind ungleichmäßig angeordnete, kleine vibrierende Motoren eingebettet, die von Mobiltelefonen stammen. Ihr kreisförmiges Drehen erzeugt kaum wahrnehmbare Erschütterungen und rufen damit subtile Verschiebungen und Vibrationen in der gesamten Skulptur hervor. Diese zarten Bewegungen und Klänge erzeugen eine Spannung zwischen Beständigkeit und Verfall. Ein körperloser, unsterblicher Organismus, gefangen in einer ewigen Schleife - möglicherweise entsteht dabei etwas.