Zwei Systeme der Liebe begegnen sich in einem Raum. Für einen Sommer eröffnen sie gemeinsam ein temporäres Büro:
Die Schatz GmbH – ein Verkupplungsunternehmen der CEOs Djoana Weimann und Josie Overton. Mit Breakup-Versicherung, AGBs und persönlichen Fragebögen wird hier von Hand verkuppelt. Wer sich anmeldet, bekommt kein Profil, sondern einen Aktendeckel- wer gematcht wird, eine SMS.
Das Love Game – eine performative Installation von Hülya Braasch – geht in dieser Ausgabe in ein neues Kapitel über: Das Tennismatch wird zum Bürospiel. Doch die Frage bleibt dieselbe: Wer gewinnt, wenn nichts zurückkommt? Ein Spiel, in dem am Ende der gewinnt, dessen Gegenüber keinen einzigen Punkt gemacht hat.
Der Titel Ich würde dich auch umarmen, wenn du ein Kaktus wärst und ich ein Luftballon schlägt eine neue Seite im Love Game auf. Er erinnert an eine Postkarte und zugleich an das ursprüngliche Love Game: Bekannte Motive kehren in neuer Gestalt zurück – das Grün des Rasens wird zum Kaktus, das Rot der Tennisbälle schwebt in Form von herzförmigen Ballons durch den Raum. Die weiße Gänseblume bleibt. Zart, eigensinnig, unbeirrt. Als Hoffnungsträgerin zwischen zwei ungleichen Akteur*innen. Wie in jeder Beziehung, wie in jedem Love Game.
Bewegung ist programmiert, Emotion bleibt unberechenbar. Der Raum selbst wird zur Bühne für eine Choreografie des Immer-wieder-Versuchens:
Love equals zero. Und trotzdem: We keep playing.
Vom 24. Juli bis zum 7. September 2025 bezieht das Pop-up-Büro den gläsernen Ausstellungsraum der HFBK boutique an der Hamburger Mönckebergstraße. Geöffnet ist es nur zur Vernissage und Finissage – und lädt ein, einzutreten und zu entdecken – sei es Liebe oder etwas ganz anderes.
An allen anderen Tagen bleibt die Tür geschlossen. Was im Inneren geschieht und vor allem geschehen ist, kann dann nur von außen betrachtet, Spuren verfolgt werden. Es bleibt wie eingefroren: Knutscher, die sich durch den Raum ziehen. Matches, die sich in Papierstapeln verlieren oder wiederfinden. Luft, die zwischen Flirt und Frustration steht. Ein Büro, das nach Feierabend weiter Geschichten erzählt. Die Kooperation zwischen der Schatz GmbH und dem Love Game schafft einen Raum, in dem Liebe, Sehnsüchte und Intimität durch überspitzte Bilder und systematische Datenerfassung zugleich zur Ware und zu einem Archiv ihrer Zeit werden. Eine Studie entsteht, die sichtbar macht: hier geht es nicht nur um private Bindungsängste oder individuelle Beziehungsprobleme. Es geht vielmehr darum, zu untersuchen, wie Intimität verhandelt wird, wenn Liebe sich durch ökonomische Logiken organisieren muss. Was passiert mit Nähe und Begehren, wenn Selbstdarstellung im Online-Dating und Algorithmen in sozialen Medien immer stärker mitentscheiden, wenn Beziehungen als Investment oder Spiel fungieren. Wie können Räume entstehen, in denen wir neu verhandeln, was Verbindung bedeutet - jenseits von Optimierung, Vergleich und Verwertbarkeit?